21.03.13
On the Road
Auf den Spuren des Greyhound.
Seit dem 1. Januar dieses Jahres dürfen in Deutschland Fernbusse in das Transportwesen eingreifen. Ein 70 Jahre altes Gesetz, das diese Möglichkeit verbot, von A nach B zu kommen, wurde gekippt.

Inzwischen haben sich mehrere Anbieter auf den neuen Markt getraut. Die Reisen dauern zwar länger, sind aber oft günstiger als die mit der Bahn. Und romantisch können sie auch sein.

Seine Flamme Sarah lernte Eddie (Paul Newman) in dem Zockerfilm-Meilenstein „Haie der Großstadt“ (1961) in einem Greyhound-Diner kennen; es gibt allerdings kein Happy End. Und Jack Kerouacs Literatur-Klassiker „On the Road“ wäre ohne die Greyhound-Busse vielleicht gar nicht entstanden. Um von New York nach San Francisco zu gelangen, fühlte sich der Ich-Erzähler Sal Paradise auf dieses 1914 gegründete Transportunternehmen angewiesen. Schon damals, 1947, als das Buch begonnen wurde, galt der Greyhound-Bus als exemplarisch für die Weite Nord-Amerikas.

In Deutschland verhinderten Sondergesetze, die auf die NS-Zeit zurückgehen, Fernbuslinien bis Ende 2012. Mit dem Verbot sollte die Bahn vor unliebsamer Konkurrenz geschützt werden. Die Idee: Fernbuslinien werden nicht genehmigt, wenn es eine Zugverbindung gibt. Umsteigen unmöglich, so kassiert die Bahn sicher ab. Ausnahme ist seit der deutschen Teilung Berlin. Auch ins Ausland gibt es Reisebusfahrten schon länger. Zuletzt hatten Fernbusse laut Statistischem Bundesamt zwei Millionen Inlandskunden im Jahr, Fernzüge aber 125 Millionen.

Ob die Geschäftsidee Fernbus für die zahlreichen Anbieter eine glückliche Entwicklung nimmt, wird die Zeit erweisen. Ein Journalist, der unlängst zwecks einer Zeitungsreportage über das in Deutschland noch frische Thema an einer Fahrt von Düsseldorf nach Freiburg teilnahm, wurde von drei Passagieren und zwei Fahrern begleitet; der Bus war also so gut wie leer. Das wäre im Speditionswesen ein Gau. Immerhin: Der Anbieter MeinFernbus berechnete für die lange Fahrt nur schlappe 18 Euro. Dafür mussten die Teilnehmer mindestens einen Tag vorher buchen; der Ticketkauf beim Fahrer hätte 41,50 Euro betragen.

Die Anbieter, die den neuen Markt betreten, brauchen einen langen Atem. Diesen scheint City2City zu haben; hinter der Marke steht das britische Unternehmen National Express. „Wir wollen innerhalb von fünf Jahren die Nummer Eins in Deutschland werden“, sagt der zuständige National Express-Chef Roderick Donker van Heel. Beginnen wird man Anfang April mit drei Linien, die über Frankfurt das Rheinland, das Ruhrgebiet sowie die süddeutschen Städte Stuttgart, München und Augsburg verbinden. Im Juli sollen zwei weitere Linien dazukommen, regionale Abdeckungen folgen. City2City scheint bestens vorbereitet, auch was Service und Komfort betrifft. In allen Bussen gibt es kostenloses WLAN, kostenlosen Besuch des Klöchens, zahlreiche Steckdosen, Klimaanlage, Sitzplätze mit großer Beinfreiheit (82 cm). Eine einfache Fahrt zum Beispiel von Dortmund nach Stuttgart dauert rund achteinhalb Stunden; der Start-Preis beträgt zehn Euro, das Doppelte mit Rückfahrt.

Marktführer auf dem Fernbusmarkt ist bislang eine Tochter der Deutschen Bahn. Berlin Linien Bus verbindet sternförmig mit mehr als 30 Strecken vor allem Berlin mit dem Rest der Republik. Das Angebot ist ein Relikt der deutschen Teilung, als es darum ging, für Westberlin eine besondere Anbindung an die BRD zu gewährleisten. Ausbauen will die Bahntochter das Angebot nicht. Aber falls der Markt es fordert, habe man ein Konzept für Fernbuslinien in der Schublade, so der Bahnvorstand.

Das Start-Up-Unternehmen DeinBus wurde bereits vor drei Jahren von drei Studenten gegründet, die Gesetzeslücken ausgemacht hatten und sich Klagen seitens der Deutschen Bahn erwehren mussten. Die Lokomotivführer verloren. Die mutigen Pioniere haben ihren Firmensitz in Friedrichshafen und genau im Blick, wie sie punkten können. In ihrem Portfolio zeigen sie Vergleiche auf. So koste die täglich einmal angebotene Fahrt von Frankfurt nach München mit DeinBus zwischen neun und 40 Euro und dauere 5,25 Stunden; die Fahrt mit der Bahn werde mit 95 Euro berechnet und würde 3,14 Stunden in Anspruch nehmen. Die Fahrt mit dem Auto ist immer der preisliche Verlierer; zwischen Frankfurt und München trenne sich der Reisende von 120 Euro. Die Geschäftsidee des Unternehmens scheint von Erfolg gekrönt; mittlerweile werden auch Düsseldorf und Köln angesteuert. Die täglichen Verbindungen seien verdoppelt worden.

Bereits etabliert hat sich der Anbieter MeinFernbus. Gründer des Unternehmens ist der 36-jährige Diplom-Kaufmann Torben Greve. Er strebt an, bereits in diesem Jahr „der bekannteste und beliebteste Fernbusanbieter Deutschlands zu werden“. Das Streckennetz ist schon jetzt beeindruckend; wie ein Quadrat umspannt es die Eckpfeiler Düsseldorf, Berlin, München, Freiburg – mit jeder Menge Ziele dazwischen. Nur das Ruhrgebiet, der Niederrhein und Friesland sind noch nicht erschlossen, doch es werde daran gearbeitet, das Linienangebot weiter auszubauen.

Noch kämpft die junge Branche mit „Kinderkrankheiten“. Eines davon scheint die Ziel-Spezifizierung zu sein. Gibt der potenzielle Passagier zum Beispiel auf http://www.busliniensuche.de den Wunsch ein, von Bochum nach Hamburg gefahren zu werden, wird er informiert, dass es zwischen diesen beiden Städten keine Fernbusverbindung gebe. Doch Kinderkrankheiten heilen aus. Mit etwas Geduld und einer zunehmenden Akzeptanz seitens der Verbraucher wird der Fernbusmarkt wachsen und sich weitere Horizonte erschließen.

mr

Fernbusanbieter

http://www.berlinlinienbus.de

Berlin Linien Bus GmbH

Mannheimer Str. 33/34, 10713 Berlin

Tel. (030) 86 19 331, info@berlinlinienbus.de

http://www.city2city.de

National Express Germany GmbH

Trakehner Straße 7-9, Eingang A, 60487 Frankfurt am Main

Tel. (069) 2575 8787, info@city2city.de

http://www.deinbus.de

DeinBus.de GmbH

Ludwigstraße 182a, 63067 Offenbach

Tel. (069) 17 53 73 200 (Mo-Fr 10-18 Uhr), info@deinbus.de

http://www.eurolines.de

Deutsche Touring GmbH, Eurolines Germany

Am Römerhof 17, 60486 Frankfurt am Main

Tel. (069) 7903 501, service@eurolines.de

http://www.flixbus.de

FlixBus GmbH

Theresienstr. 18, 80333 München

Tel. (01805) 123 99 123, info@flixbus.de

http://www.meinbus.de

Müller Reisen

Oben auf der Wiemhufe 8, 59909 Bestwig-Andreasberg

Tel. (02905) 347, info@busline.de